01Das Problem
Das Akustikproblem im Büro
Moderne Büros haben ein akustisches Grundproblem: Sie sind mit harten Oberflächen gebaut. Beton, Glas, Laminat, Gipskarton. All diese Materialien reflektieren Schall, statt ihn zu schlucken. In einem leeren Büro klingt das sofort wie ein Echo. Mit Menschen und Geräten drin entsteht eine Geräuschkulisse, die permanent auf Niveau eines lauten Restaurants liegen kann.
Lärmpegel im Büroalltag
35–40 dB
Zielwert: konzentriertes Arbeiten möglich
55 dB
Grenzwert: Konzentration deutlich erschwert
60 dB
Normales Gespräch in 1 m Abstand
65 dB
Typisches Großraumbüro – wie ein lautes Restaurant
Das Problem ist nicht nur die Lautstärke an sich, sondern der Nachhall: Schall, der im Raum hin- und herreflektiert wird, bevor er abklingt. Das macht Gespräche anstrengend, weil das Gehirn ständig Nutzklang von Störgeräusch trennen muss. Studien zeigen, dass akustische Ablenkungen die Arbeitseffizienz um bis zu eine halbe Stunde täglich reduzieren können.
Wichtige Unterscheidung: Raumakustik und Schallschutz sind zwei verschiedene Dinge. Raumakustik beschäftigt sich mit dem Nachhall innerhalb eines Raumes. Schallschutz verhindert, dass Schall von einem Raum in einen anderen gelangt. Akustikmöbel verbessern die Raumakustik, sind aber kein Schallschutz im baulichen Sinne.
02Wirkungsweise
Wie Akustikmöbel wirken
Akustikmöbel wirken durch zwei Mechanismen: Schallabsorption und Schallstreuung. Weiche, poröse Materialien wie Filz, Schaumstoff oder Vlies nehmen Schallwellen auf und wandeln sie in Wärme um, anstatt sie zurückzuwerfen. Das verkürzt die Nachhallzeit im Raum.
Wie gut ein Material absorbiert, misst man im Schallabsorptionsgrad (αw). Der Wert reicht von 0 (keine Absorption, 100 % Reflexion) bis 1 (vollständige Absorption). Materialien werden in Absorberklassen A bis E eingeteilt:
| Klasse |
αw-Wert |
Wirkung |
Typische Materialien |
| A |
0,90 – 1,0 |
Sehr hoch absorbierend |
Hochleistungsabsorber, dicker Filz, Akustikmöbel |
| B |
0,80 – 0,85 |
Hoch absorbierend |
Dickere Polster, Akustikpaneele |
| C |
0,60 – 0,75 |
Gut absorbierend |
Gepolsterte Möbel, Teppich, dicke Vorhänge |
| D |
0,30 – 0,55 |
Mittel absorbierend |
Normaler Teppich, Polsterstühle |
| E |
0,15 – 0,25 |
Gering absorbierend |
Dünne Textilien, Holzoberflächen |
Eine Verdoppelung der absorbierenden Fläche senkt den Schallpegel um 3 dB. Das ist hörbar, aber kein Wunder.
Was das in der Praxis bedeutet: Wer in einem halligen Büro einige Akustikpaneele aufhängt und polsterte Möbel aufstellt, wird einen Unterschied hören. Aber keinen dramatischen. Die realistisch erreichbare Pegelminderung im Nahbereich durch gute Akustikmöbel liegt bei 3 bis 6 dB, was als spürbar, aber nicht als radikal gilt.
03Typen im Vergleich
Welche Typen wie viel bringen
Nicht alle Akustikmöbel sind gleich wirksam. Der Typ entscheidet, welches akustische Problem gelöst wird und wie stark die Wirkung ist.
Akustikboxen & Telefonkabinen
Stärkste Wirkung
Kombinieren Schallabsorption innen mit Schalldämmung nach außen. Die Person drin hört draußen fast nichts, die Person draußen hört drin fast nichts. Das ist das einzige Produkt, das wirklich vollständige akustische Privatsphäre für Telefonate und Videocalls schafft.
Grenze: Teuer, braucht Stellfläche. Für konzentriertes Dauerschreiben ungeeignet, da die Belüftung begrenzt ist.
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Wandpaneele & Deckenpaneele
Sehr gut
Größte Absorptionsfläche pro investiertem Euro. Großflächig an Wänden und Decken montiert, verbessern sie die Raumakustik am stärksten. Besonders wirksam in hohen, kahlen Räumen mit viel Glas oder Beton.
Grenze: Festinstallation, kaum flexibel. Für gemietete Büros ohne Wanddurchbohrungen manchmal problematisch.
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Sitzinseln & Akustiksofas
Sehr gut
Hohe Rücklehnen und weiche Materialien schaffen Zonen im Raum, die den Direktschall zwischen Personen abschirmen. Besonders gut in Loungebereichen, informellen Meetingzonen oder kommunikativen Bereichen. Mehrfachnutzen: Akustik + Sitzkomfort + Raumgliederung.
Grenze: Kein Ersatz für Ruhezonen. Sprache aus der direkten Umgebung wird nur im Nahbereich gedämpft.
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Tischtrennwände mit Absorber
Solide
Reduzieren Direktschall zwischen benachbarten Arbeitsplätzen und schaffen optische Privatsphäre. Bei gepolstertem oder filzbezogenem Material zusätzlich Schallabsorption. Wirksam für die Person direkt dahinter, kaum für den Raum insgesamt.
Grenze: Nur Nahfeldwirkung. Telefongeräusche von drei Tischen weiter werden kaum reduziert.
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Akustische Schränke & Raumteiler
Solide
Schränke mit absorptionsfähigen Fronten (Filz, Stoff, perforierte Platten) verbessern die Raumakustik und schaffen gleichzeitig Stauraum. Im Großraumbüro mehrfach aufgestellt, bilden sie natürliche Zonen und reduzieren Schallwege.
Grenze: Absorptionswirkung hängt stark von der Front ab. Glatte Metallfronten helfen akustisch kaum.
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Polstermöbel & Teppiche
Ergänzend
Jedes weiche Material im Raum absorbiert Schall. Polsterstühle, Sofas und Teppiche verbessern die Raumakustik spürbar. Sie reichen oft aus, um in kleinen Büros oder Besprechungsräumen ausreichende Akustik herzustellen.
Grenze: In großen Räumen oder Großraumbüros zu geringe Absorptionsfläche für merkliche Wirkung allein.
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04Grenzen
Wo die Grenzen liegen
Akustikmöbel lösen nicht alle Probleme. Es gibt klare Grenzen, die man kennen sollte, bevor man investiert.
Schall aus Nachbarräumen bleibt
Akustikpaneele und Sitzinseln reduzieren den Nachhall im eigenen Raum. Schall aus dem Besprechungsraum nebenan, aus dem Treppenhaus oder vom Aufzug wird dadurch nicht leiser. Das ist Schallschutz, nicht Raumakustik.
Zu wenig Fläche wirkt kaum
Ein einzelnes Akustikpaneel in einem 200 m² Großraumbüro hat eine akustisch messbare, aber praktisch kaum wahrnehmbare Wirkung. Akustikmaßnahmen müssen zur Raumgröße passen.
Menschen sind die größte Lärmquelle
Telefonate, Meetings und Tastaturgeräusche entstehen neu, egal wie viel Absorptionsfläche vorhanden ist. Akustik verbessert den Nachhall, aber nicht die Anzahl der Schallquellen. Verhaltensregeln und Zonenplanung sind ebenso wichtig.
Ehrliche Einschätzung: Wer ein hallendes Büro hat, wird durch Akustikmöbel einen spürbaren Unterschied feststellen. Wer ein Büro hat, das vor allem zu laut ist wegen vieler Schallquellen, braucht daneben organisatorische Lösungen: Zonen für Telefonate, ruhige Bereiche für Konzentration, Meetingräume für Gespräche.
05Unsere Empfehlungen
Was wirklich hilft
Bei Reoffice finden Sie Akustiklösungen für verschiedene Anforderungen: von einfachen Wandpaneelen bis zu vollständig schalldämmenden Kabinen für vertrauliche Gespräche.
Telefonboxen & Kabinen
Box1 (1 Person), Box2 (2 Personen), Box4 (bis 4 Personen), Sonus S und Sonus M von Narbutas, Silent Room S und M sowie der R1 Quiet Quarter. Alle steckerfertig, mit Belüftung und Beleuchtung.
Akustische Arbeitsplätze
Narbutas My Space: akustisch wirksames Möbel für Einzel-, Doppel- und Viererarbeitsplätze. Kombiniert Raumgliederung, Schallschutz im Nahfeld und funktionale Arbeitsplatzgestaltung.
Wand- und Deckenpaneele
Caimi Snowsound Flap, Modus Hänge- und Deckenpaneele aus PET-Filz. In verschiedenen Farben, Formen und Größen. Für die einfache nachträgliche Verbesserung der Raumakustik.
Individuelle Akustikberechnung
Reoffice berechnet auf Basis Ihrer Raumdaten, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie viel Absorptionsfläche benötigt wird. Kostenlos anfragen.
06FAQ
Häufige Fragen
Was bringen Akustikmöbel wirklich? ▾
Akustikmöbel reduzieren den Nachhall im Raum und verbessern die Sprachverständlichkeit. Im Nahbereich ist eine Pegelminderung von bis zu 6 dB realistisch, was als deutlich wahrnehmbarer Unterschied gilt. Sie ersetzen keine Baumaßnahmen und können Straßenlärm oder Schall aus Nachbarräumen nicht reduzieren.
Was ist der Unterschied zwischen Schallabsorption und Schalldämmung? ▾
Schallabsorption reduziert den Nachhall innerhalb eines Raumes, indem weiche Materialien Schallenergie aufnehmen. Schalldämmung verhindert, dass Schall von einem Raum in einen anderen gelangt, und ist eine bauliche Maßnahme. Akustikmöbel bieten Schallabsorption, keine Schalldämmung.
Welche Akustikmöbel bringen am meisten? ▾
Akustikboxen und Telefonkabinen bringen die stärkste Wirkung für Einzelpersonen, da sie Schalldämmung und Absorption kombinieren. Für den Raum insgesamt sind großflächige Absorber an Wänden und Decken am wirksamsten. Tischtrennwände und Sitzinseln mit Absorptionsmaterial verbessern die Akustik im Nahbereich spürbar.
Wie laut ist ein normales Großraumbüro? ▾
In Großraumbüros werden Geräuschpegel von bis zu 65 dB(A) erreicht, was etwa der Lautstärke eines lauten Restaurants entspricht. Ab etwa 55 dB(A) ist konzentriertes Arbeiten deutlich erschwert. Der Zielwert für Büros liegt nach österreichischer Arbeitsstättenverordnung und VDI 2569 unter 55 dB(A).
Kann man Akustik im Büro auch ohne Umbau verbessern? ▾
Ja. Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel, Akustikpaneele und Telefonboxen lassen sich ohne Baumaßnahmen nachträglich einbauen. In kleineren und mittleren Büros kann das bereits ausreichen. In großen Großraumbüros mit hohem Kommunikationsaufkommen sind ergänzend Zonenkonzepte und Verhaltensregeln notwendig.
Was ist Absorberklasse A? ▾
Absorberklasse A bezeichnet Materialien mit einem Schallabsorptionsgrad von 0,90 bis 1,0, also nahezu vollständige Absorption. Das ist der höchste Wert nach DIN EN ISO 11654. Wichtig: Der Wert gilt oft nur mit Wandabstand. Direkt auf die Wand montiert, erreichen viele Produkte nur Klasse B oder C.