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🋁 Ratgeber · Sitzmöbel

Die wichtigsten Funktionen eines Bürostuhls einfach erklärt

Synchronmechanik, Sitztiefenverstellung, Lordosenstütze und verstellbare Armlehnen: Wer sich mit einem neuen Bürostuhl beschäftigt, stößt schnell auf zahlreiche Fachbegriffe. Was steckt tatsächlich hinter diesen Funktionen und welche davon sind für den eigenen Arbeitsalltag sinnvoll?

Ein ergonomischer Bürostuhl soll nicht dazu zwingen, den ganzen Tag in einer vermeintlich perfekten Position zu verharren. Er soll unterschiedliche Sitzhaltungen unterstützen, Bewegung ermöglichen und sich möglichst gut an die Person sowie an den Arbeitsplatz anpassen. Die AUVA beschreibt Ergonomie grundsätzlich als das Ziel, Arbeit und Arbeitsbedingungen an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt.

7 FunktionenWichtige Funktionen die ein moderner Bürostuhl bieten kann. Nicht alle sind für jeden gleich relevant.
2–4Fingerbreiten Abstand zwischen Sitzkante und Kniekehle empfiehlt die AUVA als Orientierung.
5 PunktAbstützpunkte am Fußkreuz empfiehlt die Österreichische Arbeitsinspektion für Kippsicherheit.

1. Die Sitzhöhenverstellung

Die Sitzhöhenverstellung gehört zur Grundausstattung eines Büroarbeitsstuhls. Mit ihr wird die Höhe der Sitzfläche an die Körpergröße und an die Höhe des Schreibtisches angepasst.

Bei einer passenden Einstellung stehen beide Füße vollständig auf dem Boden oder auf einer geeigneten Fußstütze. Ober- und Unterschenkel bilden dabei ungefähr einen rechten oder etwas größeren Winkel. Gleichzeitig sollten die Schultern entspannt bleiben und die Unterarme ungefähr waagerecht zur Arbeitsfläche liegen.

Richtige Sitzhöhe am Büroarbeitsplatz
Darauf sollten Sie achten
  • Die Füße stehen vollständig auf dem Boden
  • Die Oberschenkel liegen entspannt auf der Sitzfläche
  • Die Schultern werden weder hochgezogen noch nach unten gedrückt
  • Die Unterarme können locker auf der Arbeitsfläche oder den Armlehnen aufliegen

Bei einem Schreibtisch mit fixer Höhe muss die Einstellung des Stuhls besonders sorgfältig auf die Tischhöhe abgestimmt werden. Können die Füße danach nicht mehr vollständig auf dem Boden stehen, kann eine Fußstütze sinnvoll sein.

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2. Die Sitztiefenverstellung

Die Sitztiefe beschreibt den Abstand zwischen der Vorderkante der Sitzfläche und der Rückenlehne. Mit einer Sitztiefenverstellung kann die Sitzfläche an unterschiedliche Oberschenkel-Längen angepasst werden.

Das ist besonders für größere und kleinere Personen relevant. Eine zu kurze Sitzfläche bietet den Oberschenkeln möglicherweise zu wenig Auflage. Eine zu lange Sitzfläche kann dagegen in die Kniekehlen drücken und verhindern, dass die Rückenlehne vollständig genutzt wird.

Die DGUV empfiehlt, die gesamte Sitzfläche zu nutzen und gleichzeitig ausreichend Abstand zwischen Sitzkante und Kniekehle zu lassen. Die AUVA nennt als praktische Orientierung einen Abstand von ungefähr zwei bis vier Fingerbreiten.

Sitztiefenverstellung erklärt
So erkennen Sie eine passende Sitztiefe
  • Ihr Becken hat Kontakt zur Rückenlehne
  • Die Oberschenkel liegen ausreichend auf der Sitzfläche auf
  • Zwischen der Sitzkante und den Kniekehlen bleibt etwas Platz
  • Die Sitzkante übt keinen unangenehmen Druck auf die Beine aus

Eine Sitztiefenverstellung ist besonders bei Desk-Sharing-Arbeitsplätzen hilfreich, da dort Menschen mit unterschiedlichen Körpergrößen denselben Stuhl verwenden.

3. Die Rückenlehne

Die Rückenlehne soll den Rücken in verschiedenen Sitzpositionen unterstützen. Sie sollte nicht nur beim aufrechten Sitzen Halt bieten, sondern auch dann Kontakt zum Rücken halten, wenn Sie sich leicht zurücklehnen.

Eine ausreichend hohe Rückenlehne kann einen größeren Bereich des Rückens unterstützen. Je nach Modell lässt sich entweder die gesamte Rückenlehne in der Höhe verstellen oder die Position der integrierten Unterstützung im unteren Rückenbereich anpassen.

Die DGUV empfiehlt, dass die Rückenlehne die natürliche Form der Wirbelsäule unterstützt und wechselnde Sitzhaltungen nicht unnötig einschränkt.

Rückenlehne richtig einstellen
Wichtig bei der Einstellung
  • Setzen Sie sich möglichst weit nach hinten
  • Nutzen Sie die gesamte Sitzfläche
  • Stellen Sie die Rückenlehne so ein, dass sie den Rücken spürbar unterstützt
  • Vermeiden Sie eine Einstellung, die Sie dauerhaft nach vorne drückt
Eine Rückenlehne sollte als Unterstützung dienen und nicht als starre Begrenzung wahrgenommen werden.
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4. Die Lordosenstütze

Die Lordosenstütze wird auch Lendenstütze oder Lumbalstütze genannt. Sie befindet sich im unteren Bereich der Rückenlehne und soll die natürliche Form der Lendenwirbelsäule unterstützen.

Da sich Körpergröße, Rückenform und Sitzgewohnheiten von Person zu Person unterscheiden, sollte die Stütze möglichst in der Höhe oder in ihrer Stärke angepasst werden können. Die DGUV nennt eine höhenverstellbare Rückenlehne oder Lordosenstütze als wichtiges Merkmal eines gut eingerichteten Bildschirmarbeitsplatzes.

So finden Sie die richtige Position
  • Die Stütze sollte ungefähr im Bereich des unteren Rückens anliegen
  • Sie sollte deutlich spürbar sein, aber nicht unangenehm drücken
  • Der Rücken sollte entspannt an der Lehne anliegen können

Eine besonders starke Wölbung ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, dass die Einstellung zur jeweiligen Person passt.

5. Die Synchronmechanik

Die Synchronmechanik ermöglicht eine abgestimmte Bewegung von Rückenlehne und Sitzfläche. Beim Zurücklehnen bewegt sich die Rückenlehne nach hinten. Gleichzeitig verändert auch die Sitzfläche ihre Neigung.

Dadurch kann der Stuhl den natürlichen Bewegungen des Körpers folgen. Diese Funktion erleichtert den Wechsel zwischen einer aufrechten, einer leicht nach vorne geneigten und einer zurückgelehnten Sitzposition. Die DGUV nennt diese Beweglichkeit als Merkmal eines optimal eingerichteten Arbeitsplatzes.

Was bedeutet dynamisches Sitzen?

Bewegung statt Stillstand

Dynamisches Sitzen bedeutet, die Sitzposition regelmäßig zu verändern. Dabei geht es nicht darum, unruhig zu sitzen, sondern darum, nicht über längere Zeit vollkommen unbeweglich in derselben Haltung zu bleiben.

Die Rückenlehne sollte deshalb während der Arbeit nicht dauerhaft blockiert sein. Der Widerstand der Mechanik sollte so eingestellt werden, dass ein kontrolliertes Zurücklehnen mit ausreichend Unterstützung möglich ist.

Wichtiger Hinweis

Kein Ersatz für Bewegung

Auch der beste Bürostuhl ersetzt keine Bewegung. Regelmäßiges Aufstehen, kurze Wege und der Wechsel zwischen sitzenden und stehenden Tätigkeiten bleiben ein wichtiger Bestandteil eines abwechslungsreichen Arbeitstages.

6. Die Armlehnen

Armlehnen sollen die Unterarme unterstützen und dabei helfen, den Schulterbereich zu entlasten. Sie können außerdem beim Hinsetzen und Aufstehen unterstützen.

Damit Armlehnen richtig genutzt werden können, sollten sie zumindest in der Höhe verstellbar sein. Zusätzliche Einstellungen in der Breite, Tiefe oder im Winkel ermöglichen eine noch individuellere Anpassung. Die Höhe sollte so gewählt werden, dass die Unterarme locker aufliegen und die Schultern entspannt bleiben. Auch die Österreichische Arbeitsinspektion weist darauf hin, dass persönliche Vorlieben bei der Ausstattung berücksichtigt werden können.

Armlehnen am Bürostuhl richtig einstellen
Häufige Fehler bei Armlehnen
  • Zu hohe Armlehnen drücken die Schultern nach oben
  • Zu niedrige Armlehnen bieten kaum Unterstützung
  • Zu weit auseinanderliegende Armlehnen können eine ungünstige Armhaltung fördern
  • Zu lange Armlehnen können verhindern, dass der Stuhl nahe genug an den Tisch geschoben wird

7. Das Fußkreuz und die Rollen

Diese Funktionen fallen optisch oft weniger auf, sind für die Sicherheit und Nutzung des Stuhls jedoch wichtig. Ein Büroarbeitsstuhl sollte standsicher sein. Die Österreichische Arbeitsinspektion empfiehlt einen kippsicheren, rollenden Drehstuhl mit mindestens fünf Abstützpunkten.

Auch die Rollen müssen zum Boden passen. Für harte Böden wie Parkett, Laminat oder Fliesen werden üblicherweise weichere Rollen verwendet. Für Teppichböden kommen härtere Rollen zum Einsatz. Unpassende Rollen können dazu führen, dass der Stuhl zu leicht wegrutscht, sich nur schwer bewegen lässt oder den Boden beschädigt.

Fußkreuz und Rollen am Bürostuhl

Braucht jeder Bürostuhl alle Funktionen?

Nicht jede Funktion ist für jede Person und jede Nutzung gleich wichtig. Ein Stuhl für einen persönlich zugewiesenen Arbeitsplatz kann sehr individuell eingestellt werden. Bei Desk Sharing müssen die wichtigsten Einstellungen dagegen schnell verständlich und leicht erreichbar sein.

Welche Funktionen sinnvoll sind, hängt ab von
  • Wie viele Stunden wird der Stuhl täglich genutzt?
  • Wird er immer von derselben Person verwendet?
  • Wie unterschiedlich sind die Körpergrößen der Nutzerinnen und Nutzer?
  • Welche Tätigkeiten werden am Arbeitsplatz ausgeführt?
  • Ist der Tisch höhenverstellbar?
  • Wie häufig wird zwischen Sitzen und Stehen gewechselt?
Nicht die längste Funktionsliste entscheidet, sondern die Frage, ob sich der Stuhl an die Menschen, die Tätigkeit und den gesamten Arbeitsplatz anpassen lässt.
Der Bürostuhl ist nur ein Teil des Arbeitsplatzes

Gesamtbild entscheidet

Ein hochwertiger Bürostuhl kann seine Vorteile nur dann vollständig ausspielen, wenn er zum restlichen Arbeitsplatz passt. Tischhöhe, Bildschirmposition, Tastatur, Maus, Beleuchtung und ausreichender Bewegungsraum sollten gemeinsam betrachtet werden. Die ISO 9241 Teil 5 beschreibt ergonomische Grundsätze für die Planung, Gestaltung und Beschaffung kompletter Bildschirmarbeitsplätze und nicht nur einzelner Möbelstücke.

Quellen

Österreichische Arbeitsinspektion, Informationen zu Bildschirmarbeitsplätzen und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung.

Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Ergonomie und Grundlagen der Arbeitsplatzgestaltung.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Bildschirm- und Büroarbeitsplätze sowie Check Up Homeoffice.

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), Hinweise zur Gestaltung und Einstellung von Büroarbeitsplätzen.

Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA), Informationen zu Bürostühlen und Synchronmechanik.

Internationale Organisation für Normung, ISO 9241 Teil 5 (2024).

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