01Das Problem
Warum eine einzelne Stellwand nicht reicht
Eine Stellwand zwischen zwei Arbeitsplätzen macht intuitiv Sinn: Sie steht zwischen den Personen, sie trennt visuell, und sie hat ein weiches Material. Warum sollte das nicht helfen?
Das Problem ist die Physik. Schall ist kein Lichtstrahl, der in gerader Linie fliegt und von einer Wand gestoppt wird. Er breitet sich in alle Richtungen aus, biegt sich um Hindernisse herum, reflektiert von Decke, Boden und Wänden und erreicht den Empfänger aus Dutzenden verschiedenen Richtungen gleichzeitig.
Wie Schall im Großraumbüro wandert
Decke → reflektiert stark
🗣️Quelle
← direkt →
↗ Decke ↘
↘ Boden ↗
+ seitlich um Wand herum
😣Empfänger
Boden → reflektiert (ohne Teppich)
Reflexionswege (umgehen die Stellwand)
Direktschall (wird von Stellwand reduziert)
Eine Stellwand reduziert nur den Direktschall, also jenen Schallweg, der direkt zwischen zwei Personen verläuft. Alles, was über die Wand, um sie herum oder via Reflexion ankommt, bleibt. In einem Großraumbüro mit harten Decken und Böden macht der Direktschall nur einen kleinen Teil des empfangenen Lärms aus.
Häufiger Irrtum: Viele kaufen eine Stellwand und sind enttäuscht, weil der Unterschied kaum spürbar ist. Das liegt nicht am Produkt, sondern am Konzept. Eine Einzelmaßnahme löst ein Mehrfachproblem nicht.
02Drei Ebenen
Die drei Ebenen wirksamer Akustik
Wirksame Akustik im Großraumbüro entsteht durch das Zusammenspiel von drei Ebenen: Absorption im Raum, Barrieren im Nahfeld und Zonierung im Layout. Jede Ebene für sich ist unvollständig, zusammen sind sie stark.
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Ebene 1: Raumabsorption (Decke & Wände)
Decke und Wände sind die größten reflektierenden Flächen. Deckenpaneele und Wandabsorber reduzieren den Nachhall im gesamten Raum und haben die stärkste Wirkung auf den Gesamtpegel.
−3–6 dBRaumweit
🛡️
Ebene 2: Nahfeldbarrieren (Trennwände & Möbel)
Tischtrennwände, Akustikmöbel und hohe Schränke reduzieren Direktschall zwischen benachbarten Arbeitsplätzen und schaffen visuelle Privatsphäre. Stärkstes Instrument im direkten Arbeitsplatzbereich.
−3–5 dBNahbereich
🗺️
Ebene 3: Zonierung (Organisation & Layout)
Laute Bereiche wie Calls und Meetings räumlich von Konzentrationszonen trennen. Diese Maßnahme kostet nichts, ist aber eine Voraussetzung dafür, dass die anderen Maßnahmen überhaupt wirken.
ohne ZahlVerhaltensebene
Gute Akustik im Großraumbüro ist kein Produkt, sondern ein Konzept. Erst die Kombination aller drei Ebenen ergibt eine spürbare Verbesserung.
Das Fraunhofer Institut für Bauphysik bestätigt in seiner Forschung zu neuen Arbeitswelten: Schirmende Wände und akustische Absorber sind notwendige, aber für sich allein nicht hinreichende Maßnahmen, um Sprachschall als Hauptstörquelle zu verringern. Erst zusammen mit Zonierung und Layoutplanung entsteht eine akustisch funktionale Arbeitsumgebung.
03Kombination
Wie man Maßnahmen sinnvoll kombiniert
Die Reihenfolge der Maßnahmen ist entscheidend. Wer zuerst Trennwände kauft und dann merkt, dass der Nachhall das eigentliche Problem ist, hat falsch investiert. Die richtige Reihenfolge lautet: zuerst den Raum beruhigen, dann den Nahbereich schützen, dann die Nutzung organisieren.
Empfohlene Reihenfolge für das Großraumbüro
Von der größten zur gezielten Wirkung
1
Decke: Deckenpaneele oder Deckensegel
Die Decke ist die größte reflektierende Fläche. Deckenpaneele oder hängende Absorber reduzieren den Nachhall im gesamten Raum. Das ist die Maßnahme mit dem größten Effekt pro Quadratmeter Absorptionsfläche und sollte immer zuerst kommen.
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2
Wände: Wandabsorber an Reflexionspunkten
Wände an den Stirnseiten des Raumes und gegenüber von Tischgruppen sind die wichtigsten Reflexionspunkte. Wandpaneele dort platziert, reduzieren lange Schallwege und vermindern den Dröhneffekt in großen Räumen.
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3
Nahfeld: Tischtrennwände und akustische Möbel
Erst wenn der Raum grundsätzlich beruhigt ist, kommen Trennwände an Arbeitsplätzen ins Spiel. Tischtrennwände mit absorptionsfähigem Material reduzieren Direktschall und schaffen visuelle Privatsphäre gleichzeitig.
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4
Calls und Meetings: Telefonboxen und Kabinen
Telefonboxen und Akustikkabinen lösen das Problem von Calls im Großraum radikal: Die Person führt das Gespräch drin, der Rest des Büros hört nichts davon. Das ist die stärkste Einzelmaßnahme für die störendste Lärmquelle.
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5
Boden und Möbel: ergänzende Maßnahmen
Teppiche, Polstermöbel, Sitzinseln und Pflanzen absorbieren Schall im mittleren Frequenzbereich. Sie sind günstiger als Deckenpaneele und haben ihren festen Platz im Gesamtkonzept, sollten aber nicht die einzige Maßnahme sein.
Alle Akustiklösungen →
Deckenlösungen und Raumtrenner: Design und Akustik in einem Produkt
04Zonierung
Zonierung als unterschätztes Instrument
Die günstigste und oft wirksamste Maßnahme im Großraumbüro kostet nichts: die bewusste Trennung von Nutzungszonen. Lärm im Büro entsteht nicht gleichmäßig, sondern an bestimmten Orten und durch bestimmte Aktivitäten.
Lärmquellen-Zone
Telefonate, Video-Calls, spontane Gespräche, Meetings an Stehtischen. Diese Aktivitäten sollten räumlich konzentriert und von Konzentrationsbereichen entfernt sein. Telefonboxen oder ausgewiesene Kommunikationsbereiche helfen.
Konzentrations-Zone
Ruhige Bereiche für Schreibarbeit, komplexe Aufgaben und fokussiertes Arbeiten. Möglichst weit von Eingangsbereichen, Druckern und Kommunikationszonen entfernt. Durch Akustikmöbel zusätzlich gedämpft.
Kollaborations-Zone
Bereiche für Teamarbeit und informellen Austausch. Hier ist ein gewisser Lärmpegel akzeptabel und gewünscht. Sitzinseln und flexible Möbel mit akustischer Wirkung sind hier ideal.
Verhaltensregeln
Technische Maßnahmen wirken nur halb so gut, wenn keine Verhaltensregeln existieren. Klare Absprachen über wo telefoniert wird, wann Meetings in Boxen stattfinden und wie laut gesprochen wird, sind Teil des Akustikkonzepts.
Praxishinweis: Drucker, Kopierer und andere laute Geräte in einem separaten Raum oder Bereich zu bündeln ist eine der einfachsten und wirksamsten Maßnahmen. Geräusche, die nicht entstehen, müssen nicht absorbiert werden.
05Was wirklich hilft
Was wirklich hilft: konkrete Lösungen
Auf Basis der drei Ebenen hier die Produkte, die in der Praxis am meisten bringen. Geordnet von der größten zur gezielten Wirkung.
06FAQ
Häufige Fragen
Warum reicht eine einzelne Stellwand nicht aus? ▾
Eine Stellwand blockt Direktschall aus einer Richtung, verhindert aber nicht, dass Schall oben drüber, seitlich daran vorbei und von Decke und Boden reflektiert weitergelangt. Akustik im Großraumbüro funktioniert nur durch Kombination: Absorption reduziert den Nachhall, Zonierung reduziert Schallwege, und Barrieren reduzieren Direktschall.
Was hilft am meisten gegen Lärm im Großraumbüro? ▾
Der größte Einzeleffekt entsteht durch Deckenpaneele oder Deckensegel, weil die Decke die größte reflektierende Fläche in einem Büro ist. In Kombination mit Tischtrennwänden und Zonenplanung lassen sich Pegelminderungen von 6 bis 10 dB erzielen, was als sehr deutlicher Unterschied wahrgenommen wird.
Wie teile ich ein Großraumbüro akustisch sinnvoll auf? ▾
Laute Bereiche wie Telefonate und spontane Meetings sollten räumlich von Konzentrationszonen getrennt sein. Telefonboxen oder Kabinen für Calls, eine Homebase-Struktur für Teams und definierte Ruhezonen reduzieren Lärm durch Organisation, nicht nur durch Absorptionsmaterial.
Welche Norm gilt für Akustik im Großraumbüro? ▾
In Österreich und Deutschland gilt die VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro" als maßgebliche Richtlinie. Die ASR 3.7 „Lärm" der Arbeitsstättenverordnung legt Grenzwerte fest. Für Großraumbüros gilt eine maximale Nachhallzeit von T = 0,6 s als Richtwert nach DIN 18041.
Was kostet eine Akustikverbesserung im Großraumbüro? ▾
Das hängt stark von der Raumgröße und der gewünschten Wirkung ab. Einfache Tischtrennwände beginnen bei einigen hundert Euro pro Arbeitsplatz. Deckenpaneele kosten je nach Fläche und Produkt zwischen 200 und 800 Euro pro Quadratmeter. Telefonboxen liegen zwischen 3.000 und 15.000 Euro. Reoffice bietet eine kostenlose Akustikberechnung auf Basis Ihrer Raumdaten.