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Ratgeber Akustik

PET-Filz erklärt: Was er kann, wie er wirkt und warum er überall ist

Vor zehn Jahren war PET-Filz in Büros kaum bekannt. Heute steckt er in Tischtrennwänden, Wandpaneelen, Deckensegeln und Raumteilern. Kein anderes Material hat sich so schnell zum Standard für Büroakustik entwickelt. Woran das liegt, was das Material wirklich kann, und wo seine Grenzen liegen. Das erklärt dieser Artikel.

Was PET-Filz überhaupt ist

PET-Filz Material Nahaufnahme Struktur

 

PET steht für Polyethylenterephthalat, einen Kunststoff, der hauptsächlich für Getränkeflaschen verwendet wird. PET-Filz ist kein Naturmaterial und auch kein Schaumstoff, sondern ein gepresstes Vlies aus Kunststofffasern, von denen mehr als die Hälfte aus recycelten PET-Flaschen stammt.

Der Herstellungsprozess ist entscheidend für die akustischen Eigenschaften: Die Fasern werden gereinigt, zu dünnen Schichten aufgebaut und unter Hitze und Druck zu einer festen, porösen Platte gepresst. Das Ergebnis ist ein Material, das gleichzeitig hart genug ist, um formstabil zu sein, und porös genug, um Schall zu absorbieren.

Schritt 1
PET-Flaschen sammeln
Alte Getränkeflaschen werden gesammelt und gereinigt
Schritt 2
Fasern gewinnen
Flaschen werden zu feinen Polyesterfasern verarbeitet
Schritt 3
Pressen und Formen
Faserschichten werden unter Hitze zu festen Platten gepresst
Schritt 4
Zuschneiden und Färben
Platten werden in Form gebracht und in bis zu 40+ Farben angeboten

Warum PET-Filz Schall absorbiert

Der Absorptionsmechanismus ist physikalisch simpel: Schallwellen sind Druckschwankungen in der Luft. Wenn sie auf eine poröse Oberfläche treffen, dringen die Luftschwingungen in die Poren ein. Die Energie der Schwingungen wird durch Reibung an den Fasern in Wärme umgewandelt und dabei vernichtet. Der Schall wird also nicht reflektiert, sondern buchstäblich geschluckt.

Entscheidend sind dabei drei Faktoren: die Dichte des Materials, die Dicke der Platte und der Abstand zur Wand dahinter. Dickere Platten absorbieren tiefere Frequenzen besser. Ein Hohlraum von etwa 25 mm zwischen Paneel und Wand verbessert die Absorption im tiefen Mitteltonbereich deutlich, ohne dass das Paneel dicker sein muss.

Schallabsorptionsgrad im Vergleich (αw)
PET-Filz (9–25 mm)
αw 0,65 – 0,90
Akustikschaum
αw 0,50 – 0,80
Wollfilz
αw 0,45 – 0,75
Glatte Betonwand

Frequenzbereich: PET-Filz wirkt besonders gut im mittleren und hohen Frequenzbereich von 500 bis 4.000 Hz, also genau dem Bereich menschlicher Sprache. Für tiefe Frequenzen wie Maschinengeräusche oder Musik braucht man dickere Materialien oder spezielle Bassfallen.

Eigenschaften im Überblick

Absorptionsgrad αw
0,65–0,90je nach Dicke und Wandabstand; gute Produkte erreichen Absorberklasse A
Recyclatanteil
> 50 %aus recycelten PET-Flaschen; vollständig recycelbar nach Ende der Nutzungsdauer
Schadstoffe
keinegibt keine VOC (flüchtige organische Verbindungen) ab; für Allergiker geeignet
Lebensdauer
sehr hochvergilbt nicht, bleibt formstabil, keine Verfärbung bei normalem Gebrauch
Brandschutz
B-s1, d0schwer entflammbar nach EN 13501-1; für gewerbliche Räume geeignet
Pflege
einfachfeuchtes Tuch oder Staubsauger mit weicher Bürste; Oberfläche wasserabweisend

Wie PET-Filz im Büro eingesetzt wird

Narbutas Round PET: Tischtrennwand aus 100 % recyceltem PET-Filz, in vielen Farben

PET-Filz ist heute das am häufigsten verwendete Material für Büroakustikprodukte, weil es die drei wichtigsten Anforderungen gleichzeitig erfüllt: akustische Wirksamkeit, gestalterische Flexibilität und Nachhaltigkeit. Es lässt sich in nahezu jede Form schneiden, mit CNC-Fräsen präzise bearbeiten und in über 40 Farben produzieren.

01
Tischtrennwände
PET-Filz-Trennwände wirken direkt an der Lärmquelle: Sie absorbieren Schall im Sprachbereich bevor er sich ausbreitet. Im Vergleich zu Stoff-über-Holz-Konstruktionen ist der Filz selbst das absorbierende Material. Kein Schaumkern nötig: die Platte ist das Produkt. Round PET und Zedo PET von Narbutas sind typische Beispiele.
02
Wand- und Deckenpaneele
Als Flächenabsorber an Wand oder Decke montiert bringen PET-Paneele die meiste akustische Wirkung pro investiertem Euro. Wichtig: 15 bis 20 Prozent der Wandfläche mit Absorptionsmaterial zu decken reicht in vielen Fällen für eine spürbare Verbesserung der Nachhallzeit.
03
Hängepaneele
Frei hängend an der Decke wirken Paneele von beiden Seiten, was die effektive Absorptionsfläche verdoppelt ohne mehr Wandfläche zu belegen. Besonders effektiv über Tischgruppen oder Besprechungszonen, wo Schall von oben stark reflektiert wird.
04
Raumteiler
Freistehende PET-Filz-Elemente gliedern den Raum und absorbieren gleichzeitig. Der Vorteil gegenüber Glas- oder Holztrennwänden: keine harten Reflexionsflächen. Jede Raumteiler-Oberfläche arbeitet akustisch aktiv statt passiv.
05
Dekorative Wandelemente
Acoustic Artwork Tiles nutzen PET-Filz als Designmaterial. Die Fliesen lassen sich zu Mustern arrangieren und wirken wie Wanddekoration, nicht wie technische Dämmplatten. Das macht sie besonders für Empfangsbereiche, Konferenzräume und Homeoffice interessant.
06
Möbel und Kabinen
Sitzinseln und Akustikboxen mit PET-Filz-Bespannung oder -Innenverkleidung kombinieren Möbelfunktion mit Schallabsorption. Das Ergebnis: Jedes Möbelstück in der Zone trägt zur Nachhallreduktion bei, ohne dass separate Paneele nötig sind.
Zedo PET Tischtrennwand Narbutas

Zedo PET: Tischtrennwand in klarer Form, vollständig aus PET-Filz

Was PET-Filz nicht kann

PET-Filz ist ein Absorber, kein Dämmer. Das ist kein Marketingvorbehalt, sondern ein physikalischer Unterschied mit praktischen Konsequenzen. Absorption vernichtet Schallenergie innerhalb eines Raumes. Dämmung verhindert, dass Schall zwischen Räumen übertragen wird. Beides zu verwechseln führt zu enttäuschenden Investitionen.

Konkret: Wer Straßenlärm durch das Fenster hat, Gespräche aus dem Nebenbüro hört oder Trittschall von oben bekommt, braucht Schalldämmung. Fensterabdichtung, Türdichtungsstreifen, massive Wände, schwere Böden. PET-Filz-Paneele an der Wand verändern daran nichts. Die Energie kommt weiter rein, wird nur etwas schneller absorbiert, sobald sie da ist.

Die zweite Grenze liegt bei tiefen Frequenzen. PET-Filz absorbiert gut im Bereich von 500 bis 4.000 Hz, also im Sprachbereich. Bei Frequenzen unter 250 Hz, also tiefen Maschinengeräuschen, Bassanteilen von Musik oder Vibration aus Aufzugsschächten, nimmt die Wirkung deutlich ab. Hierfür braucht man entweder sehr dicke Materialien von 50 mm aufwärts oder spezielle Resonanzabsorber mit Hohlraumkonstruktionen. Für das typische Büroakustikproblem spielt das meist keine Rolle, weil Sprache und Tastaturgeräusche nicht in diesem Bereich liegen.

PET-Filz löst das richtige Problem auf die eleganteste Art. Vorausgesetzt, das Problem ist Nachhall und nicht Außenlärm.

Häufige Fragen

Kann ich PET-Filz-Paneele selbst montieren?
Ja. Die meisten PET-Filz-Produkte sind für einfache Selbstmontage ausgelegt. Tischtrennwände werden mit Klemmen oder Schrauben am Tisch befestigt, Wandpaneele mit Haken oder Klebestreifen an der Wand. Hängepaneele brauchen zwei Deckenhaken. Schweres Werkzeug oder Fachhandwerker sind in der Regel nicht nötig.
Wie viel Fläche brauche ich für meinen Raum?
Als Richtwert gilt: 15 bis 20 Prozent der harten Oberflächen mit absorbierendem Material zu bedecken reicht oft für eine spürbare Verbesserung. In einem typischen 20-m²-Büro mit 2,60 m Deckenhöhe entspricht das etwa 4 bis 6 m² Absorptionsfläche. Dabei zählen bereits vorhandene Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel mit. Reoffice bietet eine kostenlose Akustikberechnung auf Basis Ihrer Raumdaten an.
Was ist der Unterschied zwischen PET-Filz und Schaumstoff?
Beide absorbieren Schall. Schaumstoff vergilbt mit der Zeit, wird porös und eignet sich optisch kaum für Büros. PET-Filz bleibt formstabil, kann in Farben produziert und präzise geformt werden. Er ist nachhaltiger, langlebiger und sieht besser aus. Im Bürobereich hat PET-Filz Schaumstoff weitgehend abgelöst.
Wie pflegt man PET-Filz?
Staubsauger mit weicher Bürste oder feuchtes Tuch genügen. Die Oberfläche ist wasserabweisend und robust. Im normalen Bürobetrieb vergilbt PET-Filz nicht und verändert seine Form nicht. Stärkere Verschmutzungen lassen sich mit mildem Reinigungsmittel und einem Tuch entfernen.
Funktioniert PET-Filz auch im Mietbüro ohne Wanddurchbohrungen?
Ja. Tischtrennwände brauchen keine Wandmontage. Freistehende Raumteiler stehen einfach im Raum. Wandpaneele lassen sich mit rückstandsfrei entfernbaren Klebestreifen montieren, sofern der Untergrund geeignet ist. Hängepaneele brauchen zwei kleine Deckenhaken. Für Mietbüros ist PET-Filz deshalb besonders gut geeignet: keine baulichen Spuren, keine Genehmigung nötig.

Quellen

Herstellung & Recycling: Polyesterfasern aus PET-Flaschen werden unter Hitze und Druck zu Filzplatten gepresst. Recyclatanteil > 50 %, vollständig recycelbar. Vollständig recycelbar nach Nutzungsende. → DIN EN ISO 11654, Herstellerangaben Narbutas

Absorptionsgrad αw bis 0,90: Hochwertige Produkte erreichen Absorberklasse A. Wirkung besonders im Frequenzbereich 500–4.000 Hz, dem Hauptbereich menschlicher Sprache. → DIN EN ISO 354 (Messverfahren), DIN EN ISO 11654 (Klassenbildung)

Hohlraum 25 mm: Montage mit Wandabstand verbessert die Absorption tiefer Frequenzen deutlich. → Allgemein anerkannter raumakustischer Planungsgrundsatz, beschrieben in VDI 2569

Brandschutz B-s1, d0: Schwer entflammbar nach EN 13501-1. Für gewerbliche Räume zugelassen. → EN 13501-1 (europäische Baustoffklassifikation)

Keine VOC: PET-Filz gibt keine flüchtigen organischen Verbindungen ab, geeignet für Arbeitsräume und sensible Umgebungen. → Technische Produktdatenblätter Narbutas