Wer Telefonkabinen vergleicht, stößt auf Angaben wie „35 dB Schallschutz", „Klasse A nach ISO 23351" und „dreifacher Luftwechsel". Was das bedeutet, wie man gute von schlechten Angaben unterscheidet und worauf es beim Kauf tatsächlich ankommt, erklärt dieser Ratgeber.
01 — Schallschutz
Was dB-Angaben wirklich bedeuten
Fast alle Hersteller werben mit Dezibel-Angaben. Das Problem: Die Dezibel-Skala ist logarithmisch, nicht linear. Das bedeutet, der Unterschied zwischen 30 dB und 20 dB ist nicht ein Drittel größer, sondern etwa zehnmal größer in der wahrgenommenen Lautstärke. Und 30 dB Reduktion klingt wenig, ist in der Praxis aber erheblich.
Schallpegelreduktion in der Praxis
20 dB
Gespräch außen noch deutlich verständlich
30 dB
Gespräch außen kaum mehr verständlich
35 dB
Stimme außen nur noch als leises Murmeln wahrnehmbar
40 dB
Gespräch außen praktisch nicht mehr hörbar
Für die meisten Büroumgebungen ist eine Sprachpegelreduktion von 30 dB ausreichend, um Sprachprivatsphäre zu gewährleisten. In sehr ruhigen Büros unter 35 dB Hintergrundpegel kann mehr nötig sein. In lauten Großraumbüros über 55 dB Hintergrundpegel reichen bereits 25 bis 30 dB, weil das Hintergrundrauschen die Restverständlichkeit überdeckt.
Vorsicht bei dB-Angaben ohne Norm: Manche Hersteller geben „Schallreduktion bis 40 dB" an, ohne zu spezifizieren, wie und wo gemessen wurde. Ohne Messnorm sind solche Angaben nicht vergleichbar. Verlässliche Werte stammen aus Messungen nach ISO 23351-1:2020.
02 — Messnormen
ISO 23351: Die einzige Norm, die zählt
ISO 23351-1:2020 ist die einzige internationale Norm, die speziell für geschlossene Möbel wie Telefonkabinen und Büroboxen entwickelt wurde. Sie misst die sogenannte Sprachpegelreduktion (DS,A) in einem Labor unter standardisierten Bedingungen und klassifiziert das Ergebnis in fünf Klassen.
A+
über 38 dB
Höchste Klasse. Vollständige akustische Privatsphäre, auch in sehr ruhigen Büros.
A
30 – 38 dB
Sehr guter Schutz. Empfohlen für alle typischen Büroumgebungen.
B
25 – 30 dB
Guter Schutz. Ausreichend für Großraumbüros mit höherem Hintergrundpegel.
C
unter 25 dB
Eingeschränkter Schutz. Nur in sehr lauten Umgebungen ausreichend.
Für die meisten Büros in Österreich sind Klassen A und B gut geeignet. Klasse A bietet den Vorteil, dass auch bei niedriger werdendem Hintergrundlärm (z.B. wenn das Büro leerer ist) die Privatsphäre gewahrt bleibt. Klasse B ist in der Regel leichter und günstiger, weil weniger Masse verbaut werden muss.
Was STC und NIC bedeuten: STC (Sound Transmission Class) ist ein US-amerikanisches Messverfahren für Trennwände, keine Kabinen. NIC (Noise Insulation Class) misst Feldwerte, nicht Laborwerte. Beide sind für den Vergleich von Telefonkabinen weniger geeignet als ISO 23351-1:2020. Wer sicher vergleichen will, achtet ausschließlich auf ISO-23351-Angaben.
03 — Belüftung
Belüftung: Der oft unterschätzte Faktor
Oben: aktive Belüftungsöffnung und Beleuchtung der Silent Room M. Beide Systeme werden beim Betreten automatisch aktiviert.
Eine Telefonkabine hat ein Innenvolumen von ungefähr 1 bis 3 Kubikmetern. Ohne aktive Belüftung steigt der CO2-Gehalt in diesem kleinen Raum innerhalb weniger Minuten auf Werte, die die Konzentration beeinträchtigen. Nach der österreichischen Arbeitsstättenverordnung (AStV) und den deutschen Technischen Regeln ASR A3.6 gilt ein CO2-Wert von 1.000 ppm als Grenzwert, ab dem Maßnahmen zu ergreifen sind.
Eine Person atmet beim Sprechen etwa 15 Liter Luft pro Minute aus. In einem 1,5-m³-Raum ohne Belüftung erreicht die CO2-Konzentration diesen Grenzwert innerhalb von 5 bis 8 Minuten. Das ist keine Theorie, sondern eine physikalische Tatsache, die bei jedem Kabinenmodell ohne aktive Lüftung eintritt.
Gute Belüftung hat:
Aktiven Lüfter mit automatischer Aktivierung beim Betreten. Mindestens 30 m³/h Frischluft pro Person (ASR A3.6). Geräuscharmen Betrieb unter 35 dB(A) Lüfterlärm. Nachlauf nach dem Verlassen der Kabine, damit die gesamte Luft erneuert wird.
Problematisch ist:
Kein aktiver Lüfter oder nur passiver Luftschlitz. Lüfter, der beim Einschalten per Knopf vergessen werden kann. Zu laute Lüftung, die Gespräche stört. Keine automatische Abschaltung oder kein Nachlauf.
Für Österreich relevant: Gemäß § 28 AStV und § 22 Abs. 3 ASchG müssen in Arbeitsräumen gesundheitlich zuträgliche Luftverhältnisse herrschen. Telefonkabinen gelten als temporäre Arbeitsräume und unterliegen damit den Anforderungen an ausreichende Belüftung. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) empfiehlt mindestens 30 m³/h Außenluft pro Person.
04 — Ausstattung
Ausstattung: Was den Alltag erleichtert
Silent Room: Ausstattungsübersicht mit Bewegungssensor, Belüftung, Beleuchtung und Anschlüssen
Neben Schallschutz und Belüftung entscheiden Ausstattungsdetails darüber, ob eine Kabine täglich gerne genutzt wird oder eher als letzter Ausweg gilt. Diese Checkliste zeigt, was wichtig ist.
Muss sein
M
Aktiver Lüfter mit Bewegungssensor — automatisch an beim Eintreten, Nachlauf beim Verlassen. Keine manuelle Schaltung, die vergessen werden kann.
M
Stromanschluss innen — mindestens eine Steckdose und ein USB-Anschluss für Laptop und Telefon. Ohne das wird die Kabine für längere Arbeitssessions unbrauchbar.
M
Ausreichende Beleuchtung für Videocalls — mindestens 300 Lux an der Arbeitsfläche. Dimmbar ist ein Plus, aber keine Pflicht. Wichtig: keine starken Schatten im Gesicht durch seitliche Lichtquellen.
M
ISO-23351-1 Messzertifikat — mit konkretem dS,A-Wert und Klassifizierung. Angaben ohne Messnachweis sind nicht vergleichbar und nicht überprüfbar.
M
Deckenhöhe und Stellfläche klären — die meisten Kabinen benötigen 2,50 bis 2,80 m Deckenhöhe wegen der Belüftung oben. Stellfläche inklusive Öffnungsradius der Tür einplanen.
Gut zu haben
G
Arbeitsfläche und Sitzmöglichkeit — für Sessions über 15 Minuten wird eine Sitzgelegenheit wichtig. Eine kleine Ablagefläche für Laptop reicht für kurze Calls.
G
Glastür oder -fläche — schafft optische Präsenz, zeigt ob die Kabine besetzt ist und vermeidet Klaustrophobie-Effekte bei Personen, die in engen Räumen unwohl fühlen.
G
Rollen oder leichte Verschiebbarkeit — wichtig für Unternehmen, die das Bürolayout regelmäßig verändern oder in Mietobjekten sitzen.
Optional / je nach Bedarf
O
Whiteboard oder Bildschirmhalterung — sinnvoll für Meetingkabinen ab 2 Personen, nicht nötig für reine Telefonkabinen.
O
Buchungs- oder Belegungsanzeige — relevant ab etwa 30 Mitarbeitern oder mehreren Kabinen, wo Koordination nötig wird.
O
Farbliche Anpassung — bei Corporate-Design-Anforderungen relevant. Die meisten Modelle sind in Standardfarben erhältlich; individuelle RAL-Farben auf Anfrage möglich.
05 — Empfehlungen
Kabinen bei Reoffice
Silent Room L von Narbutas: großzügiger Innenraum, automatische Belüftung und Beleuchtung, ISO 23351 zertifiziert
Alle Telefonkabinen bei Reoffice erfüllen die beschriebenen Mindestanforderungen: aktive Belüftung mit Bewegungssensor, Stromanschlüsse und Beleuchtung sind Serie. Die Narbutas Sonus- und Silent-Room-Serie sowie die Box-Familie sind im Showroom in Wien testbar.
06 — FAQ
Häufige Fragen
Was bedeuten die dB-Angaben bei Telefonkabinen? ▾
dB-Angaben geben an, um wie viel Dezibel die Sprachpegelreduktion im Inneren einer Kabine gemessen am Außenraum beträgt. 30 dB bedeutet, ein Gespräch drinnen ist draußen kaum mehr verständlich. Die Dezibel-Skala ist logarithmisch: 10 dB mehr entspricht einer wahrgenommenen Verdoppelung der Lautstärke. Verlässliche Vergleiche sind nur möglich, wenn die Angaben nach ISO 23351-1:2020 gemessen wurden.
Was ist ISO 23351-1 und warum ist sie wichtig? ▾
ISO 23351-1:2020 ist die einzige Messnorm, die speziell für geschlossene Möbel wie Telefonkabinen gilt. Sie berechnet die Sprachpegelreduktion DS,A und klassifiziert Kabinen in Klassen A+, A, B, C und D. Klasse A bedeutet mindestens 30 dB. Kabinen ohne diese Messung lassen sich nicht zuverlässig mit anderen vergleichen.
Warum ist die Belüftung so wichtig? ▾
Eine Kabine ist ein sehr kleiner, nahezu luftdichter Raum. Ohne aktive Belüftung steigt die CO2-Konzentration innerhalb von 5 bis 8 Minuten auf Werte über 1.000 ppm, was nach österreichischer Arbeitsstättenverordnung und ASR A3.6 als Grenzwert gilt, ab dem Maßnahmen erforderlich sind. Über 1.000 ppm CO2 sinkt die Konzentrationsfähigkeit nachweislich.
Welche Deckenhöhe braucht eine Telefonkabine? ▾
Die meisten Einzelkabinen sind 2,20 bis 2,40 m hoch. Dazu kommt die Belüftungseinheit oben, die weitere 15 bis 30 cm benötigt. Für eine störungsfreie Installation empfehlen die meisten Hersteller eine Raumhöhe von mindestens 2,50 bis 2,70 m. Bei niedrigeren Räumen unbedingt vorher nachmessen.
Kann man Kabinen im Showroom testen? ▾
Ja. Im Reoffice-Showroom in Wien stehen verschiedene Modelle zum direkten Test bereit. Schallschutz, Belüftung und Beleuchtung lassen sich nur im direkten Erleben wirklich beurteilen. Terminvereinbarung über reoffice.at/kontakt.